IM RÄDERWERK DER KI
Arbeiten mit KI: Studien widerlegen Mythos vom Job-Killer und Fachkräfte-Ersatz
Artikelserie
Die Grundlagen der KI-Systeme sind wackelig
Interview: Peter Hergersberg
KI-Agenten haben sich rasant entwickelt und sind inzwischen erstaunlich gut, etwa in der
Kommunikation oder Softwareprogrammierung. Krishna Gummadi, Direktor am Max-Planck-Institut für
Softwaresysteme in Saarbrücken, erläutert, was KI-Agenten ausmacht, und äußert sich zu den
Vorteilen, die sie für den Menschen haben, sowie zu den Risiken, die sie für die Gesellschaft darstellen.
Professor Gummadi, wann wird ein KI-System zum KI-Agenten? Ist ChatGPT bereits ein KI-Agent, oder braucht es dafür mehr?
Wenn man Social-Media-Plattformen oder Chatbots wie ChatGPT untersucht, sollte man zwischen den KI-Modellen
und den Rechnerarchitekturen unterscheiden. Ein KI-Modell ist ein neuronales Netz, das alleine überhaupt nicht aktiv
ist. Erst die Rechenumgebung, also die Art und Weise, wie das KI-Modell in eine Plattform eingebettet wird, macht es aktiv
und gibt ihm Agency, also Handlungsfähigkeit. Mit anderen Worten: Das Regelwerk, das die Entwickler der Plattformen
implementieren, definiert, was KI-Modelle können und was nicht.
Können Sie ein Beispiel geben?
Nehmen wir ChatGPT: Der Kern des Systems ist ein Sprachmodell, ein Large Language Model oder LLM. Bei ChatGPT
ist es derzeit GPT-5. Man könnte es mit dem Motor eines Autos vergleichen. Ein Motor allein macht nicht viel, wenn
man ihn nicht mit Kraftstoff versorgt, ihn mit einem Getriebe verbindet und an eine ganze Reihe anderer Komponenten
anschließt. Bei Chatbots legen derzeit viele den Fokus auf die KI-Modelle selbst, übersehen aber, welchen Regeln diese
KI-Modelle folgen, wenn sie mit Menschen interagieren. Konzeptionell sehe ich es so, dass diese Systeme umso
handlungsfähiger werden, je mehr Verantwortung man ihnen überträgt. Ich vergleiche das oft mit Gate-Agenten
an einem Flughafen. Sind sie wirklich handlungsfähig, wenn jemand mit einem Problem zu ihnen kommt? Oder schlagen
sie im Regelwerk nach und sagen: Genau das muss getan werden. Dann wäre es so, als würden Menschen einen Algorithmus
ausführen. Wenn sie mehr Handlungsfähigkeit haben, können sie Entscheidungen in einer Situation treffen, in der nicht
alles festgelegt ist.
Was bedeutet das technisch für die KI-Systeme?
Technisch gesehen unterscheiden sich die Systeme von heute und vor zwei Jahren darin, dass die Modelle zunehmend mit
weiteren Werkzeugen verknüpft werden, auf die sie nach eigenem Ermessen zurückgreifen. Als beispielsweise ChatGPT
2022 veröffentlicht wurde, erzeugte das LLM jede Antwort eigenständig. Es nutzte dafür nur das parametrische
Wissen seines neuronalen Netzwerks. Deshalb gab der Chatbot keine Antwort oder halluzinierte, wenn man ihn nach
aktuellen Ereignissen fragte. In den vergangenen zwei Jahren, und insbesondere im letzten Jahr, hat man erkannt,
dass LLMs ihre Grenzen überwinden, wenn sie für ...
weiterlesen (MAX PLANCK Forschung, Ausgabe 02 | 2026, Seiten 56-61)
MENSCH UND KI – AUF DEM WEG ZUR SYMBIOSE?
Künstliche Intelligenz (KI) hat sich rasend schnell von
einer Domäne der Wissenschaft und Science-Fiction
zur alltäglichen Realität entwickelt. Die neue
Technologie verspricht großen gesellschaftlichen Nutzen,
sie birgt aber auch Risiken – vor allem, wenn es um mögliche
Auswirkunen von Systemen geht, die intelligenter
sind als wir Menschen. So haben führende Fachleute
aus der Wissenschaft und Technologieexperten vor einigen
Monaten einen Brief veröffentlicht, in dem eine Pause
gefordert wird bei Experimenten mit KI-Systemen, die über
die Leistung von GPT-4 hinausgehen.
von Paul Rainey
Unter den Gründen für eine Pause sind mögliche Risiken bei der Entwicklung
von KI, die Modelle nutzt, um bestimmte Ziele zu verfolgen. Dies
würde zu KI mit strategischem Bewusstsein führen. Wird ein Algorithmus
etwa mit dem Ziel programmiert, seine Effizienz, Produktivität oder die
Nutzung von Ressourcen zu maximieren, könnte er versuchen, mehr Macht
oder Kontrolle über seine Umgebung zu erlangen, um diese Aufgaben
zu erfüllen. Darüber hinaus wird lernfähige und sich selbst optimierende KI
ihre Ziele wahrscheinlich besser erreichen und mehr Vertrauen in ihre
eigenen Fähigkeiten gewinnen. Dies könnte dazu führen, dass KI selbstbewusster
und aktiv nach Wegen sucht, ihre Macht und ihren Einfluss in
der Welt zu vergrößern.
KI-Forschende stehen also vor dem Dilemma, dass sie einerseits KI entwickeln
wollen, die dem Wohl der Menschheit dient, dass damit andererseits
die Wahrscheinlichkeit wächst, dass die Algorithmen Ziele verfolgen,
die nicht mit denen von uns Menschen übereinstimmen. Darüber hinaus
könnte KI bewusst mit Zielen konstruiert werden, die denen der Menschheit
zuwiderlaufen. Diese Bedenken sind besonders akut im Zusammenhang
mit der Entwicklung selbstreplizierender KI. Solche Systeme würden
dank ihrer Fähigkeit, sich zu vermehren und durch einen eingebauten
Mutationsprozess zu variieren, eine Evolution auf Basis von Selektion
durchlaufen. Als vermehrungsfähige Algorithmen oder Roboter könnten
sie sich mit möglicherweise katastrophalen Folgen ausbreiten, denn die
Selektion ist extrem gut darin, Lebewesen an ihre Umwelt anzupassen.
Der Mensch zum Beispiel ist ein Ergebnis dieses Prozesses. Wenn wir die
Selektion so steuern könnten, dass sie KI fördert, die den Interessen von
uns Menschen dient, wären meine Bedenken geringer. Die Evolutionsbiologie
lehrt uns jedoch, dass fortpflanzungsfähige Systeme sich in kaum
vorhersagbarer Weise entwickeln können.
weiterlesen (MAX PLANCK Forschung, Ausgabe 03 | 2023, Seiten 14-19)
Wie gefährlich ist ChatGPT?
Ein Film aus der ARTE-Reihe "Aktuelles und Gesellschaft - Perspektivwechsel"
Wie Künstliche Intelligenz uns alle täuschen kann. Reihe: "ZAPP - KI und Medien"
Ein Film über die Entwicklung der "Künstlichen Intelligenz" in der Sendung "NANO-Spezial"
bei dem Sender 3sat.
Es folgt der Link zur Website der 3sat-Mediathek mit weiteren Informationen.